Der Film Vaxxed und zu Teilen auch der Film “Man Made Epidemic” ist um einen angeblichen Skandal in der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC herum aufgebaut.

Und zwar soll die CDC unterschlagen haben, dass es in einer Subgruppe einer MMR-Autismusstudie zu einer statistisch erhöhten Anzahl von Autismusfällen gekommen sein soll. Und zwar unter afroamerikanischen Jungen.

Den Eindruck, den Wakefields Umfeld und die Filmemacher von Vaxxed und Man Made Epidemic erwecken wollen, lässt sich wie folgt zusammenfassen: “Also löst die MMR Impfung doch Autismus aus. Und wenn die CDC etwas verbirgt, muss es ja noch mehr Verschwiegenes geben.”

Der eigentliche Skandal ist jedoch…


Dieser Kommentar wurde auf Instagram wegen ‘unpassender Formulierungen’ abgelehnt und er bezieht sich auf diesen Beitrag der Bekleidungsproduzentin “manomama”: https://www.instagram.com/p/BfagzHyl9Nq/?taken-by=manomama — Vermutlich ist ‘eine Einstellung haben’ für das Lifestylenetzwerk nicht bequem genug.

Ich kann diese “Aber die sind da _so_ glücklich!”-Geschichten nicht mehr hören. Fakt ist: Arbeitsämter drängen im Verbund mit anderen Organisationen auch Menschen mit schweren Depressionen oder Autisten in Werkstätten, die weder kognitiv noch manuell eingeschränkt sind und die locker auch auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten könnten. Aber es wird verhindert weil es einerseits bequemer ist und andererseits weil die Werkstätten für die Wohlfahrtsunternehmen ein riesen Geschäft sind. Ein Geschäft, dass sie auch mit Zähnen und Klauen verteidigen, nämlich gegen Ansätze von Arbeiterselbstvertretung, sprich Gewerkschaften, und jeglicher anderer Form von Selbstbestimmung. Es wurden erst kürzlich Arbeiter einer Werkstatt sanktioniert, die…


Dieser Artikel erschien ursprünglich im N#MMER Magazin, Ausgabe 01/2014.

Autismus sei eine Epidemie, eine Plage, Autisten die gestohlenen Kinder, wie die Wechselbälger der Volkssagen. Ihr Leben sei eine Tragödie und mehr noch das Leben der Eltern, die mit Kindern gestraft sind, die sie nicht lieben, nicht umarmen. Der Zustand einiger Autisten im „low-functioning“ Spektrum sei „schlimmer als der Tod“, urteilen einige Forscher. Natürlich ganz wertungsfrei.

Seit rund zwanzig Jahren blasen Interessengruppen und Elternorganisationen diese Melodie und haben so maßgeblich das Bild der Gesellschaft von Autismus und Autisten geprägt. Ihre Arbeit ist mitverantwortlich, dass der Fokus, der in den 1970er und 1980er Jahren vor allem auf Contergangeschädigten und in den 1990ern auf Menschen mit Trisomie 21 lag und nun zu Autismus als medizinischen und gesellschaftlichen Problem weitergewandert ist. Besonders nachdem 1992 das Asperger-Syndrom ins Diagnosehandbuch ICD-10 aufgenommen und das autistische Spektrum dadurch deutlich erweitert wurde.

Das, zusammen mit Organisationen, die ihre Spendeneinkünfte hauptsächlich in die Forschung fließen…


Originalartikel der Osthessen News: https://archive.is/4PmdV

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Entsetzen und schockiert habe ich ihren Artikel über das ‘Familiendrama’ in Künzell gelesen. Sie spekulieren bereits — ohne genauere Anhaltspunkte — dass das Motiv der Tat in der ‘Erkrankung’* des Sohnes zu finden sei.

Die Behinderung eines Kindes ist niemals die Ursache für eine Kindstötung. Millionen Eltern schaffen es ihre behinderten Kinder aufzuziehen, ohne sie zu töten. Nur Eltern, die töten wollen töten ihre Kinder. Ob diese behindert sind oder nicht. Dass das Kind behindert war, dient hier lediglich als opportune Ausrede für eine unverzeihliche Tat.

Mit dieser Formulierung…


Seit der Ankündigung des Films “Vaxxed — Eine unbequeme Wahrheit” in Deutschland, meldete sich eine Gruppe lautstark zu Wort. Autisten. Von ihnen und ihrer — angeblich durch Impfungen ausgelösten — Behinderung handelt der Film und doch kommen sie darin nicht zu Wort.

Ihr Engagement scheint für genug Nachfragen und Unruhe in den Reihen der Filmbesucher gesorgt zu haben, dass der Filmverleih, die Busch Media Group, kommentierende Autisten auf der Vaxxed-Facebook-Seite blockte. Um anschließend zu verkünden, deren Kritik sei durch “von der Pharmaindustrie abhängige Autistengruppen gesteuert”.

Ist das so?

Wie organisieren sich Autisten?

Autisten sind kein sonderlich geselliges Völkchen. In diesem einen Punkt haben die…


Dieser Beitrag erschien zuerst im N#MMER Magazin, Ausgabe 01/2015.

Im Jahr 2007 tauchte eine verheißungsvolle neue Behandlungsmethode für Autismus auf. Nachdem ein Pooldesinfektionsmittel angeblich Malaria und Krebs besiegt hatte, sollte es alle Symptome von Autismus restlos beseitigen. Eine verhängnisvolle Prophezeiung, die über unbelegte Heilsversprechen und Quacksalberei direkt in einen Sumpf aus Lügen, Verschwörungstheorien und Kindesmisshandlung führt.

Einer der vielen Websites zufolge, die die Entdeckung von MMS bejubeln, wurde einem Mann namens Jim Humble — der Name ist nicht Programm –, als er im Dschungel Guyanas auf Goldsuche war, um die leeren Kassen nach 20 Jahren Mitgliedschaft in der Scientology-Sekte aufzufüllen…


Dieser Artikel erschien zuerst im N#MMER Magazin, Ausgabe 2/2015.

Das People-Magazin kürte Ende Juni 2015 Bob und Suzanne Wright zu Helden unter uns. Für viele erwachsene Autisten sind die Gründer der Organisation Autism Speaks dagegen das Böse in Person. Was macht die Helden der einen zu den Bösewichten der anderen? Ein kritischer Blick hinter die Kulissen der weltweit größten Autism-Awareness-Organisation.
Bob und Suzanne Wright gründeten Autism Speaks im Jahr 2005, nachdem ihr Enkel im Alter von 2 Jahren diagnostiziert wurde. Sie berichten, dass ihre Idee entstand, nachdem sie ein halbes Jahr durchs Land getingelt waren und zahlreiche Autismusveranstaltungen besucht hatten. Ärzte…

Mela Eckenfels

Author. Nerdy, dorky geekgirl. Kann Spuren von Politik und Nischenthemen enthalten. Autismus, Geschichte. Patreon: https://mela.geekgirls.de/unterstuetzen/

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